Das Tele­fon klin­gelt und ich schre­cke aus dem Schlaf hoch. Ich schaue auf die Uhr, 1 Uhr 50. Ich neh­me ab. Am ande­ren Ende der Lei­tung träl­lert mir fröh­lich ein Kol­le­ge einer Flä­chen­such­hun­de­staf­fel ent­ge­gen: „Du weißt, was es heißt, wenn ich Dich um die Uhr­zeit anru­fe, oder?“ „Ey,“ den­ke ich übel­lau­nig, „ich habe kei­nen Bock auf fröh­li­che Rate­spiel­chen. Sag ein­fach was und wo, und wir kom­men.“ Im Tele­fo­nat erfah­re ich, dass seit Nach­mit­tags eine Rent­ne­rin ver­misst wird. Und ich erhal­te einen Treff­punkt. Danach sen­de ich den Alarm für die Staf­fel raus. Eini­ge Kol­le­gen muss ich trotz­dem anru­fen, habe wort­kar­ge, aus dem Tief­schlaf geris­se­ne Per­so­nen am Tele­fon. So wie ich mich auch füh­le. Der Ein­zi­ge, der fröh­lich um mich her­um­hüpft, ist Lan­do. Er weiß, gleich geht es los, dann darf er suchen. Ich zie­he mich an, packe die Kla­mot­ten, mache gleich­zei­tig einen Kaf­fee für die Fahrt, dann geht es los.

Auf dem Weg über die Auto­bahn steigt zum Glück der Adre­na­lin­pe­gel so hoch, dass Müdig­keit und schlech­te Lau­ne wie weg­ge­bla­sen sind, als ich an der Ein­satz­stel­le ange­kom­men bin. Schnell eine rau­chen um von der Fahrt run­ter­zu­kom­men, gleich­zei­tig erhal­te ich eine Ein­wei­sung. Die Kol­le­gen haben bereits Geruchs­trä­ger gesi­chert, also kann ich sofort los­le­gen. Ich mache Lan­do bei 2 Grad und leich­tem Regen fer­tig und wir begin­nen die Suche. Nach 20 Minu­ten ste­he ich an einem gro­ßen Wald­stück und Lan­do scheint nicht mehr wei­ter zu fin­den. 5 Minu­ten spä­ter endet dort auch die Spur für eine Kol­le­gin, wel­che mit ihrer Hün­din mei­ne Suche abge­si­chert hat.

Wir infor­mie­ren die Ein­satz­lei­tung, jetzt schlägt die Stun­de der Flä­chen­such­hun­de. Die Ein­satz­lei­tung und die Ret­tungs­hun­de­staf­feln wer­den an unse­ren End­punkt ver­legt. Ca. 15 Minu­ten spä­ter lau­fen Hun­de­füh­rer mit ihren Hun­den, wel­che Kenn­de­cken mit Lam­pen und Glöck­chen tra­gen, in Rich­tung Wald und machen sich auf die Suche. Eini­ge Mit­glie­der unse­rer Staf­fel gehen da als Such­grup­pen­hel­fer mit, wir ande­ren sit­zen neben der Ein­satz­lei­tung im Betreu­ungs­zelt, nass, durch­ge­fro­ren und trin­ken Kaf­fee. Auch eine gute Stun­de spä­ter gibt es noch nichts Neu­es, Such­team für Such­team kehrt erfolg­los zurück.

„In mei­nem nächs­ten Leben spie­le ich Schach oder samm­le Brief­mar­ken“, sage ich sar­kas­tisch zu mei­nem stell­ver­tre­ten­den Staf­fel­lei­ter, der mich wis­send angrinst. In dem Moment knackt das Funk­ge­rät. „Hilf­lo­se Per­son im Such­ge­biet gefun­den. Per­son lebt!“, quäkt es aus dem Laut­spre­cher. Jubel bran­det auf, die gan­ze Anspan­nung der letz­ten Stun­den schlägt in Freu­de um. Die Ein­zi­gen, die jetzt noch hek­tisch arbei­ten, sind die Per­so­nen in der Ein­satz­lei­tung. Sie müs­sen die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung der gefun­de­nen Per­son orga­ni­sie­ren.

Als ich eine gute Stun­de spä­ter nach Hau­se fah­re, um zu duschen und dann arbei­ten zu gehen, weiß ich eines ganz sicher: „Auch in mei­nem nächs­ten Leben wer­de ich nachts irgend­wo nass, tod­mü­de und ver­fro­ren in irgend­ei­nem Zelt sit­zen und hof­fen, dass mei­ne Arbeit dazu bei­getra­gen hat ein Men­schen­le­ben zu ret­ten!“

Und wenn Sie jetzt sagen, dass Sie sich mit die­sem Bericht iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, sich vor­stel­len kön­nen so Ihre Frei­zeit zu ver­brin­gen, soll­ten Sie uns anspre­chen. Wir sind immer auf der Suche nach neu­en Hun­de­füh­rern und Hel­fern!